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Die Farbe Lila (The Color Purple)  
Centaurea




DN Gott
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Die Farbe Lila (The Color Purple)       



Genre: Drama
Produktionsland: :USA: | Produktionsjahr: 1985 | Altersfreigabe: FSK 12
Regie: Steven Spielberg
Darsteller:
Whoopi Goldberg - Celie
Danny Glover - Albert ("Mister")
Margaret Avery - Shug Avery
Oprah Winfrey - Sofia
Rae Dawn Chong - Squeak
Akosua Busia - Nettie
Laurence Fishburne - Swain
Adolph Caesar - Alberts Vater

Zitat

Story:
Georgia, Anfang des 20. Jahrhunderts: Die junge Celie ist weiblich, schwarz und allein. Von ihrem tyrannischen Vater wird sie regelmäßig vergewaltigt und misshandelt; ihre Kinder verkauft der herrschsüchtige Mann. Nur ihre jüngere Schwester Nettie gibt Celie ein wenig Trost in der grausamen Welt, die ihren Alltag darstellt.

Nach dem Tod ihrer kranken Mutter verheiratet Celies Vater sie an den Farmer Albert Johnson, welcher das junge Mädchen als Mutter für seine Kinder benutzt und ihr auch sonst das Leben schwer macht, indem er sie herumkommandiert und sie anstrengende Tätigkeiten im Haushalt erledigen lässt. Celies Vater vergreift sich nun auch an Nettie, welche sich zu Celie flüchtet, dort jedoch nicht lange bleiben kann. In den folgenden Jahren kämpft Celie langsam gegen ihre Unterdrückung an, lernt die faszinierende Shug Avery kennen und lieben und kapselt sich Stück für Stück von den Peinigern ihres Leben ab.


Nachdem eine Arbeitskollegin und ich festgestellt haben, dass wir beide nichts, aber auch gar nichts mit „Schnulzen“ anfangen können, hat sie mir diesen Film in die Hand gedrückt mit den Worten „der ist toll!“. Also habe ich dem Werk eine Chance gegeben, obwohl ich zu meiner Schande gestehen muss, dass mir dieser Titel bis dato nichts sagte. Ich habe weder schon vorher davon gehört noch ahnte ich auch nur ansatzweise, was mich da erwarten würde.

Dass ich mich auf diesen Film einlassen muss und ihn nicht nebenbei konsumieren kann war mir schnell bewusst nachdem ich die Inhaltsangabe gelesen hatte. Dennoch hatte ich keine Ahnung, worauf ich mich da einlassen würde. Und hätte ich es gewusst hätte ich mich wohl nicht darauf eingelassen.
Der Film ist nicht schlecht, keinesfalls! Aber ich kann ihn für mich auch nicht als Meisterwerk bezeichnen. Zu schwer wiegt die Handlung, zu gemischt sind meine Gefühle wenn ich darüber nachdenke. Und zu wenig konnte ich mich mit den Charakteren, allen voran Celie, identifizieren. Am meisten mochte ich noch Shug Avery, was viel darüber aussagt, wie drückend ich die Handlung fand.

Spoiler

Irgendwie konnte ich einfach nie verstehen, wieso Celie lieber dieses Leben in Kauf nimmt statt zu fliehen. Zu sehr unterscheiden sich unsere Lebensbedingungen von denen der damaligen Zeit und ich war auch nie so abhängig von einem anderen Menschen, wie Celie es hier ist. Dabei konnte ich sie sogar verstehen, als sie ihr Herz und ihre Hoffnungen an Shug hängte und diese mit einem Schlag zerstört werden als diese verheiratet wieder auftauchte. Das war so ziemlich der einzige Punkt, den ich nachvollziehen konnte, ansonsten verstand ich Celie einfach nicht.

Auch Sofia blieb mir ein Rätsel. Sie will sich von einem Mann nicht beherrschen lassen, dies kann ich gut verstehen. Aber sie rennt ihrem Mann Harpo davon und kehrt doch wieder zurück, wieso? Gerade ihren Kindern zuliebe konnte ich das einfach nicht verstehen. Und dass sie somit in die Fänge der Bürgermeistersfrau geraten ist war natürlich besonders tragisch. Andererseits fand ich die Stelle, als sie durch Celies Geschimpfe am Tisch wieder zu sich selbst fand, ziemlich gut gelungen.

Womit ich zu Shug komme. Sie war für mich vom Charakter her am leichtesten zu verstehen. Unabhängig, stolz und frei wünscht sie sich doch einfach nur anerkannt zu werden. Ich habe mich in der Kirche wirklich für sie gefreut, als ihr Vater sie umarmte. Dennoch… wieso will sie Celie dann, nach all den Jahren, doch mitnehmen? Wieso nicht schon früher? Dass sie Albert liebt ist ja gut und schön, da er sie auch liebt und sich ihr deshalb nur im besten Licht präsentiert ist das verständlich dargestellt. Aber Celie erzählt ihr schon früh von ihrem Leid, wieso rennt Shug da weg? Natürlich erzählt der Film eine Geschichte über viele Jahre hinweg, die Charaktere wachsen und entwickeln sich mit der Zeit. Aber da wurde zu viel nicht gezeigt, die Wandlung die Shug durchmacht wurde nicht deutlich. Was ich wirklich schade fand, denn wie gesagt fand ich sie ziemlich gut.

Was mir auch Schwierigkeiten bereitete war dem Zeitfluss zu folgen. Zeitweise hatte ich Probleme Netties Briefe korrekt einzuordnen und auch das Alter der Charaktere richtig einzuschätzen. Was mir aber richtig gut gefiel war das Ende. Nicht weil Celie endlich mit Nettie und ihren Kindern vereint worden war, sondern weil alle drei Frauen, Celie, Shug und Sofia zusammen in Celies Haus zu leben schienen. Und da kurz zuvor Celies Hosen-Geschäft gezeigt wurde hatte das trotz der bis dahin wirklich schweren Handlung eine gewisse Leichtigkeit. Das gefiel mir richtig gut, wirkte es doch hoffnungsfroh.

Ein starker Film über starke Frauen denke ich, auch wenn die Handlung nicht leicht zu verdauen ist. Da wird mit Gewalt in jeder Form nicht gespart, am schlimmsten finde ich immer noch die psychische Gewalt, die hier verwendet wurde. Dennoch – oder gerade deswegen - werde ich diesen Film nicht noch einmal anschauen, da ich mit solchen Alltagsdramen dann doch nichts anfangen kann. Mir fehlt da irgendwie das Ziel, der rote Faden. Aber wen das nicht stört sollte dem Film unbedingt eine Chance geben!


"Man sagt zwar, man schwebt auf Wolken wenn man glücklich ist, aber reisen kann man auf den Dingern nicht."
Anne Shirley in Anne mit den roten Haaren
12.02.2017 10:21
chion




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Nachdem dieser Film in meinem Frofil auftaucht, muss ich wohl auch was dazu sagen, wenn Du, Centi, schon so freundlich bist und einen Thread eröffnest. Wobei ich hinzufügen muss, dass ich ihn vor ein paar Jahren zum letzten Mal gesehen habe und mich hoffentlich noch korrekt erinnere. Und es ist ein paar Jahre her, weil er wirklich schwere Kost ist, da muss ich Dir recht geben. Ob er nun ein Meisterwerk ist, das weiß ich nicht, aber auf jeden Fall ist es ein Film, den man nicht so schnell vergessen kann, was auch an den herausragenden Leistungen der Schauspieler liegt. Whoopi Goldberg trägt ungewohnt ernst die tragische Gestalt der Celie wirklich konstant durch den Film, aber auch Danny Glover schafft es immer wieder, die Figur des Albert glaubwürdig zu machen.

Spoiler

Zitat von Centaurea

Irgendwie konnte ich einfach nie verstehen, wieso Celie lieber dieses Leben in Kauf nimmt statt zu fliehen.

Oh doch, ich verstehe sie schon, und das machte es mir immer wieder schwer, mir den Film anzusehen, denn es hat mich innerlich zerrissen, wie sehr sie an die Gebräuche und Gesetze der damaligen Zeit gebunden war, und das gleich doppelt: als Frau und als schwarze Frau. Frauen hatten ohnehin kaum Rechte und kamen ohne die Autorität eines Mannes nirgendwohin, wo sie gern sein wollten. Farbige standen weit unter den Weißen und hatten zu kuschen, und farbige Frauen litten in den Familien unter der Ohnmacht ihrer machtlosen Männer, die sich in Gewalt Erleichterung verschaffte. Celie kann gar nicht anders, als sich einzufügen, denn sie kennt nichts anderes und traut ihrer Stärke nicht, traut nicht einmal ihren Träumen.

Wohin eine Farbige Aufbegehren bringen kann, das hat man ja an Sofia gesehen, die letztendlich durch die Macht der Weißen gebrochen wurde, weil sie nicht in der Lage war, nachzudenken und besonnen zu handeln. Wo Celie zu lange gezögert hat, war Sofia zu rasch bei der Sache. Und doch fehlte es Sofia in meinen Augen immer ein bisschen am Mut, aus ihrem Rahmen auszubrechen und wirklich ihren Weg zu gehen. Sie hat sich lediglich in ihrer Familie gut eingenistet, das Kommando übernommen und Unterdrückung durch Harpo vermieden (war ja eher anders herum), aber weiter konnte sie nicht gehen. Das hat Celie letztendlich geschafft, die ist ganz aus dem System ausgebrochen, auch wenn es Jahre gedauert hat. Aber ich glaube, sie brauchte diese Jahre für den letztendlichen Schritt, sie war mit sich im Reinen und konnte an ihre Zukunft glauben.

Zitat von Centaurea

Womit ich zu Shug komme. Sie war für mich vom Charakter her am leichtesten zu verstehen.

Ja, vielleicht weil sie mit ihren Vorstellungen und ihrem Freiheitsdrang eher in unsere Zeit gepasst hätte. Shug ist eine Mischung aus Sofia und Celie, finde ich. Sie will frei sein (Sofia), und sie bricht aus (Celie). Dass sie dafür viel geben muss wird ihr bewusst gewesen sein, aber sie hat ihre Chancen genutzt und dabei ihr Herz auf dem rechten Fleck behalten.

Richtig tragisch finde ich Albert, der einfach gar keine Chancen hat, aus dem Kreislauf auszubrechen. Er kann ein wunderbarer Mann sein, wenn er möchte, kocht für Shug und pflegt sie hingebungsvoll, aber er schafft es nicht, aus dem ausztubrechen, was von seiner Umwelt erwartet wird. In Celie kann er nur das Opfer sehen, und Opfer werden nicht bedauert, um die muss man sich auch nicht bemühen, die braucht man nicht wahrzunehmen. Und doch war er so abhängig von Celie, nicht nur von ihrer Arbeit auf der Farm, sondern auch von ihrer Anwesenheit. Die verlotterte Farm zeigt das deutlich, denn bearbeiten hätte er Grund und Boden durchaus selber. Aber es schien, als wenn ihm der Antrieb dafür gefehlt hat, seit Celie weg war. Vielleicht ist ihm irgendwann bewusst geworden, dass er sich Celie gegenüber falsch verhalten hat, denn er versucht letztendlich doch etwas Gutes für sie zu tun, als er mit den Papieren zur Behörde geht.

Zitat von Centaurea

Was mir aber richtig gut gefiel war das Ende. Nicht weil Celie endlich mit Nettie und ihren Kindern vereint worden war, sondern weil alle drei Frauen, Celie, Shug und Sofia zusammen in Celies Haus zu leben schienen. Und da kurz zuvor Celies Hosen-Geschäft gezeigt wurde hatte das trotz der bis dahin wirklich schweren Handlung eine gewisse Leichtigkeit. Das gefiel mir richtig gut, wirkte es doch hoffnungsfroh.

Ja, dieses Ende ist wirklich versöhnlich und zeigt einen Ausblick auf eine sich verändernde Gesellschaft, in der Schicksale wie die von Celie, Sofia und Shug immer weniger vorkommen werden. Hoffnungsfroh ist ein schöner Ausdruck dafür.




Die persönliche Freiheit des einen endet dort, wo die des anderen beginnt.
12.02.2017 16:48

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